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"Softness" die gefühlvolle Verbindung zwischen Mensch und Pferd - mit Mark Rashid hautnah erlebt! Bericht eines Kursteilnehmers:

Mark Rashid Clinic Switzerland 2014

 

Ich kannte Mark Rashid bisher nur aus seinen Büchern. In ihnen erzählt der weltbekannte amerikanische Horseman auf eindrucksvolle wie auch unterhaltsame Weise über seine Erfahrungen und seinen Lebensweg mit Pferden, und welche grundlegenden Erkenntnisse er daraus für sein gesamtes Leben gewinnen konnte. Dabei zeigt er auch auf, was der Mensch von den Pferden lernen kann, stellt immer wieder das harmonisches Miteinander ins Zentrum seiner Betrachtungen. „Blending“ und „Leadership“, aber auch „Balance“ und „Softness“ sind darin zentrale Elemente. Im Mai 2014 bot sich mir nun die Gelegenheit, Mark Rashid endlich einmal „live“ erleben zu können, und ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, was seine Arbeit mit Pferden und Reitern so einmalig macht.

Zunächst einmal war ich erstaunt, dass das Kursangebot mehrheitlich nicht mit Pferden in der Reithalle, sondern mit Sportklamotten in einem Dojo – dem Trainingsraum für asiatische Kampfsportarten – statt finden sollte. „Aikido for Horsemen“ war der Name eines 3-tägigen Kurses, von dem ich nicht so recht wusste, was mich erwarten würde und was mir das bei der Arbeit mit meinen Pferden bringen könnte. Doch schon nach dem ersten Tag wurde mir klar, um was es Mark Rashid geht: Eine gefühlvolle und zentrierte Verbindung mit dem Pferd beschränkt sich nicht nur auf (mehr oder weniger) feine äussere Hilfen beim Reiten, sondern setzt beim Körpergefühl, beim Bewegungsverständnis und bei der feinen Wahrnehmung des Reiters selber an! Mit einem systematischen Aufbau und gezielten Übungen für Reiter – oft als Partnerübungen, bei denen der eine Partner 1:1 erleben konnte, wie sich unsere Pferde fühlen – wurde vermittelt, welchen Effekt unser eigenes Bewegungsverhalten und unsere innere Haltung auf unseren Partner hat. So erlebte ich am eigenen Körper eindrücklich, wie Druck Gegendruck aufbaut, Gegendruck zu noch mehr Steifheit und Verspannungen führt und schlussendlich kaum mehr eine zielgerichtete Kommunikation und einen Lernprozess zulässt. Im Gegenzug konnte ich hautnah erfahren, dass ein zwar bestimmtes, aber gleichzeitig auch sanftes, durch eine innere (nicht nur äusserliche) Weichheit („Softness“) und Ausgeglichenheit geprägte Kontaktaufnahme, unterstützt durch eine bewusste Atmung, eine unbeschreibliche Harmonie entstehen lässt, die ein geschmeidiges und kooperatives Arbeiten mit den Pferden fast ohne Kraftaufwand ermöglicht.

Mein Fazit nach drei unterhaltsamen und zugleich eindrücklichen Tagen mit Mark Rashid in der Trainingshalle (Dojo): Ich möchte in Zukunft mit einem völlig anderen Fokus an meine Pferde heran gehen und viel mehr Achtsamkeit auf mich selber, meinen eigenen Körper, meine Atmung, meine innere Haltung und meine eigene körperliche und mentale Verfassung legen. Bisher war ich stark darauf fokussiert, was meine Pferde machten bzw. warum sie es nicht so machten, wie ich es gerne gehabt hätte. Dabei hatte ich völlig vernachlässigt, welchen Beitrag ich selber in die Zusammenarbeit eingebracht habe und welche Verantwortung für eine harmonische Beziehung bei mir selber lag. „Thank you, Mark!“

Nach 3 Tagen pferdegerechter Arbeit an mir selber – die ich zu meinem grossen Erstaunen trotz etwas unterentwickelter Fitness ohne Blessuren oder Muskelkater überstanden hatte – wollte ich natürlich die Gelegenheit nicht verpassen, Mark Rashid auch bei seiner Arbeit mit Pferd und Reiter zuzusehen. Dazu bot sich im Anschluss an die „Aikido for Horsemen“ Kurse glücklicherweise die Gelegenheit bei einem eintägigen Reitkurs, an dem Mark mit 7 verschiedenen Teilnehmern arbeitete. Ich war natürlich sehr gespannt, mit dem gerade erst neu erlebten Input die Umsetzung an Pferd und Reiter durch meine neue Brille zu beobachten. Zusammen mit über 100 Zuschauern durfte ich miterleben, wie Mark Rashid mit viel Witz und in lockerer Atmosphäre massgeschneidert für jede einzelne Teilnehmerin Lösungsansätze für die jeweiligen „Baustellen“ entwickelte und dabei jeweils auch bzw. insbesondere die Reiterin in die Pflicht nahm, nicht nur am Pferd sondern vor allem auch an sich selber zu arbeiten, um ein harmonisches Verständnis und eine feine, zielgerichtete Hilfengebung zu entwickeln. Dabei stellte er stets das Befinden des Pferdes in den Mittelpunkt und scheute auch nicht davor zurück, körperliche Probleme, die zu mehr oder weniger starken Schmerzen beim Pferd führten, anzusprechen und in einem Fall sogar den Unterricht zum Wohle des Pferdes abzubrechen.

Doch es gab auch die eindrückliche Entwicklung einer Teilnehmerin zu bestaunen, die mit einem etwas kräftig gebauten und im ersten Moment eher träge wirkenden Highland Pony nach wenigen Anweisungen von Mark fast schon leichtfüssig und dynamisch über den Hallenboden zu schweben schienen und alle Übergänge zwischen den verschiedenen Gangarten mit kaum mehr wahrnehmbaren Hilfen weich und harmonisch reiten konnten, was mit Szenenapplaus der zahlreichen Zuschauer quittiert wurde. So schön kann reiten sein! Ich hatte die Gelegenheit, mich nach der Reitstunde mit dieser Reiterin zu unterhalten und als ich erfuhr, dass sie bereits letztes Jahr an einem „Aikido for Horsemen“ Workshops von Mark Rashid teilgenommen hatte und auch dieses Jahr wieder 3 Tage dafür investiert hatte, wusste ich: Meine Kursteilnahme wird sich auszahlen und ich will unbedingt mehr von Mark Rashid darüber lernen, wie ich meine Verbindung zu den Pferden gefühlvoller und harmonischer gestaltet kann. Hoffentlich bietet sich schon bald eine neue Gelegenheit.

In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal und „Thank you, Mark!“

(Rico Gisi - Mai 2014)

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